Vortrag von Elmar Theveßen am 04.06.2026

„Systemsprenger Trump – Folgen für Deutschland und Europa"

Von Angelika Knöpker

Walstedde/Drensteinfurt. Ein absolutes Highlight im Jahresprogramm der Akademie Gegenwart am Gesundheitszentrum Haus Walstedde war am Donnerstagabend der Besuch des Journalisten, Politikwissenschaftlers, Buchautors und Leiter des ZDF-Studios Washington, Elmar Theveßen. auptstaHauptstadtstudios in Washington D.C. Die Kulturscheune war mit 200 Besucherinnen und Besuchern voll besetzt, 50 Interessierten musste im Vorfeld aus Platzgründen abgesagt werden.

„Systemsprenger Trump - Folgen für Deutschland und Europa" hieß sein Thema, das er sachkundig und mit vielen Beispielen belegt, beleuchtete. „Systemsprenger, das sind Hochrisiko-Klienten", definierte er den Begriff. „Das Unsagbare wird sagbar, es passieren Sachen ohne Konsequenzen und das alles in rasender Geschwindigkeit". Von den Versprechungen im Wahlkampf sei heute nicht mehr viel übrig, die Sprunghaftigkeit seiner Entscheidungen mittlerweile legendär. Die USA sei ein grandioses Land, aber es tue weh zu sehen, was dort passiert. Hart ins Gericht ging der Korrespondent mit Trumps privaten Ambitionen, wie zum Beispiel den Bau eines Ballsaals mit Drohnen-Flugplatz auf dem Dach oder der pompösen Ausrichtung seines 80. Geburtstags mit Show-Catchen in einer Arena, die eigens dafür gebaut wird und das bei einer hohen Staatsschuld .

Bis zum heutigen Tag habe Trump 220 Dekrete erlassen, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. „Er erklärt den Notstand und nimmt sich damit das Recht, Verfügungen zu erlassen ohne Beteiligung des Kongresses", kritisierte er.

So kompensiert er den Energienotstand mit dem Ausbau von ÖL und Gas, einem Stopp für den Bau von Windkraftanlagen und dem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, nannte der Referent ein Beispiel. Die Zuwanderung bezeichnet Trump als Invasion. „Sie begehen abscheuliche und ruchlose Verbrechen gegen unschuldige Amerikaner", ist im Dekret zu lesen. Das stimme einfach nicht, stellte Theveßen klar. „Sie arbeiten in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen, sie sind produktiv und zahlen Steuern". Die Abschiebungen ohne Anhörung seien ein Verstoß gegen die Verfassung. 70 Prozent der im ersten Jahr seiner Regentschaft abgeschobenen 650.000 Migranten seien keine Straftäter, nannte er aktuelle Zahlen des US amerikanischen Heimatschutzministeriums.

Trump habe den Eindruck, der mächtigste Mann der Welt zu sein, der Europa das Gefühl vermittelt, dass sie alles mit sich machen lassen. „Geschlossen auftreten und gegen ihn Flagge zeigen", forderte Theveßen mehr Geschlossenheit und Konsequenzen. „Trump erweckt den Eindruck, er arbeitet nicht für die Bevölkerung, sondern nur für sein Prestige", zog Theveßen ein Fazit. „Wir müssen uns stärker darauf konzentrieren, was in und für Europa gut ist", forderte er abschließend und erinnerte an die regelbasierte Werteordnung, die in Europa seit 80 Jahren mit Erfolg umgesetzt werde.

Bei einem anschließenden Empfang im Hotel „Leib & Seele" hatten die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, dem prominenten Gast, der am Vortag seinen 59. Geburtstag feiern konnte, Fragen zu stellen.


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